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Die Schutzsuchenden

Aischylos Flüchtlingstragödie „Die Schutzsuchenden” aktueller denn je

Ein gutes halbes Jahr arbeitete der DSP-Kurs unter der Leitung von Elena Fillia-Diefenbach an der Flüchtlingstragödie „Die Schutzsuchenden“ von Aischylos. Das antike Schauspiel handelt von Flucht und Vorurteilen.
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten mit der Thematik, einigen Diskussionen und zahlreichen Proben konnte sich die moderne Interpretation definitiv sehen lassen.
Die Theateraufführung wurde am Freitag, den 01.07.2016 und Samstag, den 02.07.2016 am Adolf-Reichwein-Gymnasium aufgeführt.
Das Bühnenbild ist dunkel, im Hintergrund spielt dramatische Musik. Requisiten sucht man auf der Bühne vergeblich. Die Schauspieler/Innen sind ganz in schwarz gekleidet und tragen wenige Accessoires. Nur der Chor trägt traditionell griechische Gewänder. Der Fokus soll ganz klar auf der Handlung des Stückes liegen.
Wir schreiben das Jahr 468 v. Chr. 50 Frauen flüchten vor einer Zwangsheirat aus ihrem Heimatland Ägypten über das Mittelmeer nach Europa. „Die Frauen mussten um Schutz suchen, um aus eigenem Trieb vor dem Unheil zu fliehen,“ so zitiert es der Chor (Victoria Fritsch, Jan Viola, Jonas Hochberg) zu Beginn des Stückes. In Griechenland bitten sie den König Pelasgos von Argos (Lucas Peiffer) um Asyl. Doch der König will die Entscheidung nicht alleine tragen und stellt sein Volk vor die Wahl: Soll man die Flüchtlinge aufnehmen oder zurück in ihr Heimatland schicken?
Auf einmal ohrenbetäubender Lärm. Laute Schüsse hallen durch den Raum, und Bombeneinschläge sind zu hören – plötzlich befinden wir uns in der Gegenwart. 
Die Schüler/Innen rennen verzweifelt und hektisch über die Bühne. Einige können sich in ein kleines Rettungsboot retten und flüchten damit über das Meer nach Europa. 
In unserer heutigen Zeit flüchten Millionen von Menschen aus unterschiedlichen Gründen aus ihren Heimatländern auf der Suche nach Schutz und Frieden. Um die Thematik der Tragödie von Aischylos zu verdeutlichen, inszenierten die Schüler/Innen des Darstellenden-Spiel-Kurses selbstständig fünf Szenen. Diese basieren auf tatsächlichen Ereignissen von Flüchtlingen unserer Zeit und handeln von Krieg, Leid und Elend.
Da ist zum Beispiel die Geschichte das junge Mädchen Ayda aus Eritrea, die vor der Regierung flüchtet, damit sie in Frieden ihre Religion ausleben kann.
Oder Mohamed, der vor der Autorität seines Vaters und einer Zwangsheirat flieht. In Europa erhofft er sich endlich, Freiheit und Selbstbestimmung zu finden.
Herzzerreißend ist auch die Geschichte des Jungen namens Ghodrath. Er erzählt von den vielen, schönen Festen seines Heimatlandes, aber auch von dem brutalen Krieg, den er erfahren musste und dabei seine Eltern verlor.
Dann ist da noch die Geschichte einer jungen, syrischen Familie. Einst führten sie ein beschauliches, gutes Leben, bis ein Bombenangriff das Dorf erschüttert. Das jüngste Kind kam dabei auf tragische Art und Weise ums Leben.
Und schließlich ist da noch Soraya. Sie leidet unter der Willkür und den Schikanen des Staates, so dass sie immer wieder an ihre eigenen Grenzen stößt.
Am Ende steht das ganze Volk von Argos auf der Bühne. Mit einer Art „Klagemauer“ stellt die Bevölkerung ihre Befürchtungen und Ängste dar. Mit jedem Stein kommen immer neue Aspekte und Vorurteile dazu: „Schwarz, Rot, Gold ist bunt genug!“ oder „Das sind doch alles aggressive Kriminelle, die unsere Frauen vergewaltigen.“ „Die ganzen Flüchtlinge nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg:“, „Sie zerstören unsere Kultur!“ Können sich die Flüchtling überhaupt noch gegen die Vorurteile behaupten?
Doch es werden auch Stimmen laut, die sich komplett gegen die Vorstellungen stellen: „Wenn wir zusammen halten, dann können wir das schaffen.“ „Mehr Konsumenten fördern die Wirtschaft.“ „Die Schutzsuchenden werden die Kultur nicht zerstören, sondern durch ihre Kultur bereichern.“ „Kriminelle gibt es immer und überall.“„Wären wir selbst in derselben Lage wie die Flüchtlinge, würden wir auch Hilfe erwarten!
Mehr und mehr Bürger lassen sich überzeugen und wollen den Flüchtlingen offen und freundlich gegenüber treten. 
Am Ende zerstört das Volk symbolisch die „Klagemauer“ und entscheidet sich für die Aufnahme.
Die Ernsthaftig- und Tiefgründigkeit des Theaterstückes gefiel nicht unbedingt jedem Zuschauer. 
Zu verwoben war der dramaturgische Handlungsverlauf. So antworteten der Großteil der Befragten, auf die Frage, wie sie das Theaterstück fanden, mit „ganz gut eigentlich".
Dennoch ist hervorzuheben, dass den meisten Besuchern besonders die schauspielerische Leistung der Schüler/Innen gefiel. Die Ausarbeitung und Umsetzung der Flüchtlingstragödie sei der Gruppe hervorragend gelungen. 
Doch bei aller Ernsthaftigkeit lockert sich am Ende die Stimmung auf. Indem die Schauspieler/Innen die „Klagemauer“ zum Einstürzen bringen, setzten sie ein deutliches und ernstes Zeichen. Für alle Beteiligten war dies eine wichtige Schlüsselszene.

Louisa Grübler, Q2

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